Geschichte

Marchesi Antinori begann Anfang der neunziger Jahre, in dieses Weinbaugebiet – eines der jüngsten und vielversprechendsten der Toskana und von ganz Italien – zu investieren.
Zu dieser Zeit hatte der Nobile di Montepulciano eben seinen Wiederaufstieg begonnen. In gewisser Weise waren die Weine von Montepulciano jedoch bereits damals und noch viel früher berühmt.

DER WEIN UND MONTEPULCIANO
Das erste geschichtliche Dokument, in dem die Weine von Montepulciano Erwähnung finden, stammt aus dem Jahre 789. Die Weine von Montepulciano wurden bereits in der Zeit der Medici geschätzt, als Montepulciano ein Alliierter von Florenz gegen Siena war. Es waren Weine für Aristokraten, und aristokratisch waren auch die Trauben, die zu ihrer Erzeugung selektiert wurden: daher stammt vermutlich der Name Nobile des angesehensten der hier produzierten Weine.
Dies bestätigt im Übrigen Francesco Redi in seinem Kurzepos Bacco in Toscana (1685) – eine Art önologischer Tour ante litteram, die Bacco und Arianna zur ihrer Ergötzung in der Region unternehmen. Bezogen auf den Wein dieser Gegend spricht Redi von “liquore che sdrucciola al core”, einem Likör, der zum Herzen gleitet, und bekräftigt, dass “Montepulciano d’ogni vino è re”, Montepulciano der König aller Weine sei.
Aber auch Voltaire in Candide (1759) – wo eine Tafel mit auserlesenen Speisen und Getränken beschrieben wird (“… maccheroni, pernici di Lombardia, uova di storione e vino di Montepulciano”), Makkaroni, Rebhühner aus der Lombardei, Störkaviar und Wein aus Montepulciano – und Alexandre Dumas in Der Graf von Montechristo (1846) sprechen von diesem Wein. Und sogar zwei Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Thomas Jefferson (1743 – 1826) und Martin Van Buren (1782 – 1862) gehören zu seinen begeisterten Verehrern.

1966 ist Nobile di Montepulciano einer der ersten Weine in Italien, der das DOC-Prädikat erhält, und dies gibt den Anstoß dazu, die alten Weinberge in Mischkultur durch spezielle Rebflächen zu ersetzen, wenn auch weiterhin in der alten lokalen Tradition der Bearbeitung und Konservierung des Weines.

Die DOC – wie auch später die DOCG – schreibt vor, dass Grundlage des Nobile zu mindestens 70% Sangiovese (Prugnolo Gentile), eventuell unter Zusatz anderer genehmigter Rebsorten, sein muss. Prugnolo Gentile – ein Klon des Sangiovese Grosso, der seit dem 18. Jahrhundert in diesem Gebiet selektiert wird – bleibt in jedem Fall die entscheidende Varietät für den Nobile: ihr Name leitet sich von der Farbe und dem Duft der Beeren ab, die in reifem Zustand an prugne, Pflaumen, erinnern. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war es außerdem üblich, abwechselnd mit den Rebzeilen Obstbäume zu pflanzen, und das waren häufig eben Susinen.
Das Konsortium der Erzeuger von Vino Nobile di Montepulciano wurde bereits 1965, ein Jahr vor der Einrichtung der DOC, gegründet .
Die DOCG entsteht erst 15 Jahre später, 1981, und damit wird ein neues Kapitel aufgeschlagen: einige traditionelle Unternehmen führen Modernisierungen auf dem Weinberg und in der Kellerei ein, es präsentieren sich neue Erzeuger, nicht nur aus der Toskana, und das gesamte Anbaugebiet beginnt sich zu qualifizieren.
In den selben Jahren trägt der große internationale Erfolg der Supertuscans zu einem wachsenden Interesse für das Made in Tuscany im Allgemeinen bei und führt zu einer radikalen Veränderung der Situation des Weinbaus in diesem Gebiet.  

DER WEIN UND CORTONA
Im Anbaugebiet von Cortona hingegen ist eine Öffnung hin zur Produktion von Qualitätsweinen erst in den letzten Jahren zu beobachten.
Nachdem es 1999 DOC geworden war, durchlief es eine entschiedene Umwidmung der Weinberge von weißen zu roten Varietäten. Faktisch handelte es sich dabei nicht wirklich um eine Umstellung, sondern um eine bewusste Rückkehr zu den Ursprüngen, denn in der Vergangenheit überwogen in der Tat in diesem Anbaugebiet die roten Weine, und die Wahl von Rebsorten wie Merlot und Syrah basierte also auf einer alten lokalen Tradition und kehrte zu dieser zurück. Die Tabula Cortonensis, ein etruskisches Dokument von besonderem Wert aus dem 2. Jahrhundert v.Chr., das 1992 wieder aufgefunden wurde, bezeugt die uralten Bande zwischen Cortona und dem Wein. In dieser "Tabula", die heute als "Vertrag" bezeichnet würde, werden die Besitztümer zwischen den Familien Cusi und Petru-Scevas aufgeteilt, an erster Stelle ein Weinberg im Gebiet des Trasimeno-Sees – genau dort, wo heute die DOC Cortona liegt.